'Enttäuschend! Am heutigen Tag müssen wir nicht mehr von der Meisterschaft sprechen.', habe ich soeben als Schlagzeile in der Welt am Sonntag gelesen und bald danach in der Sportschau aus Christian Nerlingers Mund vernommen.
Der FC Bayern hat heute wieder 3 Punkte im Kampf um die Meisterschaft liegen gelassen. Man musste kein großer Hellseher sein um diese Entwicklung voraussagen zu können.
Bei einer Mannschaft von einer mannschaftlichen wie individuellen Qualität wie der des FC Bayern, die in ihrer Gesamtheit alle Mannschaften der deutschen Bundesliga an individueller Klasse übertrifft, kann es im Grunde nur psychologische Gründe geben:
Fans, Vereinsführung, Trainer erwarten alle stets Siege. Spielt die Mannschaft einmal zwei Unentschieden hintereinander ist die Stimmung schon getrübt. Man sieht es ja hinlänglich oft: frostige Stimmung auf der VIP-Tribüne! Versteinerte Gesichter, weil die Multimillionen-Truppe gegen einen 'Nobody' wie Freiburg nur ein Unentschieden schafft. Verliert die Mannschaft gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner in der Champions League, gibt es eine minutenlange Trauerrede mit einer Bedrohlichkeit wie bei der Rede eines Mafiapaten, beim traditionellen spätabendlichen Bankett nach dem Match.
Um die psychische Beschaffenheit der Mannschaft als Gesamtheit scheint es nicht zum besten zu stehen. Oft hat man den Eindruck, dass schon eine Gegentor einer im Abstiegskampf befindlichen Gegenmannschaft eine Krise auslösen kann. Tritt man nicht souverän genug am Spielfeld auf, gibt es gleich patzige Kommentare nach dem Spiel, die dann von den Medien hochgeschaukelt werden. Es folgen dann stockende Interviews irgendwelcher höchst beleidigter Vereinsfutzis und die Krise ist perfekt. Jeder weitere Kommentar vertieft die Krise. Das scheint sich dann auch auf die Mannschaft zu übertragen. Das nächste Spiel geht natürlich wieder in die Hose und der böse Kreislauf ist perfekt. Meist ist das Resultat mit Gewalt herbeigeredete Krisen, deren negative Kreisläufe nur mit viel Aufwand durchbrochen werden können.
Spielt ein David gegen den Goliath FCB, dann reicht es zwar sicher nicht gefinkelt medial eine Krise in München anzuzetteln, aber das eigene Unterfangen unterstützend flankieren könnte es durchaus!
Schon mal nach Dortmund geschaut? Da gab es natürlich auch Niederlagen und wird es diese sicher in der Zukunft geben. Niederlagen, oder schwächere Spiele werden in der Öffentlichkeit einfach hingenommen und als Lernprozess abgehakt. Das geht stets sehr zügig und ohne viel Tamtam. So bietet man medial auch nicht so viel Angriffsfläche und es überträgt sich so rasch nichts auf das Vereinsgefüge.
Der Unterschied sind derzeit 7 Punkte und immerhin 180 Millionen Euro.